Crowdfunding mit Kickstarter – Erkenntnisse aus über 331.000 Projekten

Crowdfunding ist heute in Deutschland in aller Munde. Wer eine Idee für ein Produkt oder eine Dienstleistung hat, kann sich über die „Schwarmfinanzierung“ mit dem nötigen Startkapital versorgen. Als Gründer erhält man mit einer solchen Kampagne zum einen (falls es gut läuft) das erforderliche Kapital und zum anderen ein Meinungsbild, ob die Zielgruppe vom Projekt begeistert ist oder nicht.

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In Deutschland gehört die amerikanische Firma „Kickstarter“ zu den bekanntesten und erfolgreichsten Crowdfunding-Plattformen. Kickstarter selbst bietet ein Handbuch für Projektgründer zur optimalen Projekterstellung und -durchführung an. Der bereitgestellte Leitfaden sowie das Kickstarter-Forum bieten eine solide Grundlage, die man neben einer innovativen Projektidee benötigt, um seine Chancen auf eine erfolgreiche Projektfinanzierung zu erhöhen.

Unserer Meinung nach weisen die ausgewiesenen Quellen jedoch zwei Schwächen auf:

  1. Die Erfolgsberichte einzelner Projekte haben nur eine schwache argumentative Aussagekraft. Zwar können die Kampagnen-Empfehlungen von Gründern durchaus korrekt und ehrlich sein. Dennoch ist die Generalisierung von diesem einen (oder wenigen) erfolgreichen Projekt(en) auf andere Projekte unmöglich, da die Umstände sich stark unterscheiden. Manche Empfehlungen erschienen uns zudem widersprüchlich.
  2. Einige wichtige Hilfestellungen fehlen bei Kickstarter komplett oder wurden unzureichend beantwortet. Zum Beispiel: Welche Unterkategorien haben die höchsten Erfolgs- bzw. Fehlerraten? Welcher Wochentag erhöht die Wahrscheinlichkeit einer erfolgreichen Projektfinanzierung? In welchen Kategorien sind Investoren besonders aktiv?

Die folgende Datenanalyse behebt diese Mängel

Insgesamt analysierten wir mehr als 378.000 Kickstarter-Projekte, die zwischen der Gründung von Kickstarter am 28. April 2009 und Ende Januar 2018 erstellt wurden (siehe mehr unter „So haben wir getestet“).

Wir haben versucht, die Empfehlungen so praxisnah wie möglich zu gestalten, ohne uns auf irgendwelche an den Haaren herbeigezogene Theorien zu versteifen. Mehr Infos zum Thema was Crowdfunding ist und wie es funktioniert finden sich in dieser Infografik.

Bevor wir in die Materie einsteigen, ein kurzer Blick auf die Daten:

  • Insgesamt fallen 87,6 Prozent der Kickstarter-Projekte in die Kategorien Erfolgreich und Gescheitert. 10,2 Prozent der Projekte wurden aus uns nicht bekannten Gründen vorzeitig abgesagt, obwohl interessanterweise einige Projekte ihr Finanzierungsziel bereits erreicht hatten. 0,5 Prozent der Projekte wurden eingestellt und 0,9 Prozent als undefiniert markiert. Zudem war ein geringer Prozentsatz an Projekten zum Zeitpunkt der Datenerhebung noch live (0,7 Prozent).
  • Um Erfolgs- und Fehlerfaktoren besser analysieren zu können, wurde die Analyse auf erfolgreiche sowie gescheiterte Projekte beschränkt. Nach der Bereinigung verblieben von 378.000 noch rund 331.000 Kickstarter-Projekte, von denen wiederum 40,4 Prozent erfolgreich endeten. Das bedeutet, das von den Gründern festgelegte Finanzierungsziel wurde innerhalb eines definierten Zeitraumes erreicht. Bei den restlichen 59,6 Prozent wurde das Finanzierungsziel verfehlt und das Geld wieder an die Unterstützer zurückgezahlt.
  • Besonders häufig wurden Projekte in den Hauptkategorien Film und Video sowie Musik veröffentlicht. Journalismus und Tanz landeten auf den letzten Plätzen.
  • Von den insgesamt 170 Unterkategorien sind besonders Produktdesign (9,4 Prozent aller Projekte), Dokumentarfilme (7,3 Prozent), Musik (6,4 Prozent) und Tabletop-Spiele (5,7 Prozent) beliebt. Kaum Beachtung finden dagegen Projekte in den Bereichen Buchdruck sowie Taxidermie, beide mit jeweils zehn Projekten.
  • Ein überwiegender Teil der Kickstarter-Projekte kommt aus englischsprachigen Ländern, deutlich angeführt von den USA mit 78,8 Prozent. Großbritannien, Kanada und Australien folgen abgeschlagen. Deutschland befindet sich auf Platz 5 mit insgesamt 1,04 Prozent (3436) aller Kickstarter-Projekte.
Über den Autor
Carlos

Co-Founder von Finantio

Carlos arbeitete nach seinem Wirtschaftsstudium in Frankfurt in der Strategieberatung und bei verschiedenen Fintechs im Marketing & als Produktmanager. Dort sammelte er Erfahrung in der Finanzwelt, die er heute bei Finantio teilt.

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