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Geld zu Hause lagern: Strafbar oder unbedenklich? (2022)

Auf die Frage hin, ob es strafbar ist, Bargeld zu Hause zu lagern, hören wir immer wieder verschiedene Theorien. Aus diesem Grund sind wir bei Finantio der Frage auf den Grund gegangen und haben uns die aktuelle Gesetzeslage unter die Lupe genommen. Wir zeigen euch, worauf du achten solltest, wenn du deine Bargeldreserven zu Hause lagern möchtest.

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Statistik: So viel Geld lagern Deutsche zu Hause (2022)

Bargeld ist und bleibt das beliebteste Zahlungsmittel der Deutschen. Aktuelle Daten der Bundesbank zeigen jedoch, dass nur 20 Prozent des Bargeldvermögens für alltägliche Transaktionen verwendet werden – der Rest (etwa 200 Milliarden Euro) wird zu Hause gebunkert.

Wir haben die wichtigsten Fakten zum Bargeldverhalten der Bundesbürger zusammengefasst:

  • Der durchschnittliche Bargeldbestand der Deutschen liegt bei 1.364 Euro (Studie der Deutschen Bundesbank aus 2018)
  • Im Geldbeutel befinden sich im Durchschnitt 107 Euro
  • Die am häufigsten verwendete Banknote ist der 50-Euro-Banknote
  • Bei über 65-Jährigen liegt der Bargeldbestand mit durchschnittlich 2.072 Euro am höchsten
  • Bei unter 25-Jährigen ist der Wert mit 335 Euro am niedrigsten
Studie Jahr Wichtigste Erkenntnisse
S&P’s Global Financial Literacy Survey 2014 Nur 35 Prozent der Befragten haben das Konzept der Diversifikation bzw. Risikostreuung beim Investieren verstanden.
S&P’s Global Financial Literacy Survey 2014 Die durchschnittliche Rate für Finanzbildung liegt in Europa bei 52 Prozent. Die finanziell "gebildetsten" Menschen leben in Schweden (71 Prozent). Dort findet Finanzbildung bereits im Kindergarten statt.
S&P’s Global Financial Literacy Survey 2014 In Schwellenländern liegt die Rate für Finanzbildung bei 28 Prozent. Die Differenz zu Industriestaaten (-24 Prozent) ist erheblich.
ING DiBa Studie zu Finanzbildung 2017 90 Prozent der Deutschen sehen in finanzieller Bildung einen “must-have” Skill. Das Bewusstsein ist hoch, das Angebot leider aktuell noch zu niedrig.
J.P. Morgan Studie 2019 Frauen sind mit 34 Prozent im Bereich Finanzen weniger selbstbewusst als Männer, die mit 46 Prozent die höchsten Ratings erzielten. Die Werte beruhen jedoch auf eigenen Angaben, die fachlich nicht überprüft worden sind.
Jugendstudie des Bankenverbandes 2021 In der Studie gaben 68 Prozent der Befragten an, dass sie in der Schule “nichts” oder “kaum etwas” über Wirtschaft und Finanzen gelernt haben.
Weltsparen Studie 2019 Über 60 Prozent der Umfrageteilnehmer gaben an, dass sie für Finanzbildung als Teil des Regellehrplans an Schulen plädieren. In Bayern (68 Prozent) ist das den Menschen wichtiger als z.B. im Saarland (42 Prozent).
Finanztip Studie 2021 Jeder Zweite weiß nicht, wann Dispozinsen beim Girokonto anfallen. Unter 30-Jährige haben eine große Affinität zu Aktien, haben jedoch kein Gespür für die damit verbundenen Risiken und reagieren überdurchschnittlich sensibel auf Kursschwankungen. In der Studie konnten Teilnehmer bis zu 12,5 Punkte erzielen. Mehr als die Hälfte erreichte jedoch maximal 6 Punkte.Jeder Zweite weiß nicht, wann Dispozinsen beim Girokonto anfallen. Unter 30-Jährige haben eine große Affinität zu Aktien, haben jedoch kein Gespür für die damit verbundenen Risiken und reagieren überdurchschnittlich sensibel auf Kursschwankungen. In der Studie konnten Teilnehmer bis zu 12,5 Punkte erzielen. Mehr als die Hälfte erreichte jedoch maximal 6 Punkte.
Union Investment Studie 2017 Die Studie mit über 2.000 jungen Erwachsenen im Alter von 18 bis 29 Jahren zeigt, dass 61 Prozent der Befragten ihre Finanzkompetenzen mit der Schulnote “3” oder “4” bewerten. In Berlin glauben nur 10 Prozent, sich beim Thema “Finanzen und Geld” gut bis sehr gut auszukennen. Damit schneidet die Bundeshauptstadt am schlechtesten ab. Über 85 Prozent der Befragten sehen die Verantwortung für die Vermittlung von Finanzkompetenzen bei den Schulen. Bei etwa 69 Prozent werden die Familien zur Verantwortung gezogen.
DIW Berlin 2022 Deutschland hat als einziges Land keine nationale Strategie zur finanziellen Bildung. 40 Prozent der Befragten, die einen Konsumkredit haben, kennen ihren Zinssatz nicht. Bei Frauen ist der Anteil mit 55 Prozent am höchsten. Bei Männern liegt dieser bei 34 Prozent.
YouGov & Younited 2022 Nur 20 Prozent der Befragten können sich vorstellen, ihre Finanzentscheidungen von Social Media Influencern (“Finfluencern”) abhängig zu machen. Über 65 Prozent der Teilnehmer gaben an, kein oder kaum Vertrauen in die Informationen der Influencer zu haben. Grund dafür ist der fehlende berufliche und fachliche Hintergrund der Social Media Kanäle. Jüngere Menschen (bis 34 Jahre) sind offener für Informationen der Influencer.

Die Bundesbankdaten zeigen signifikante Unterschiede in Abhängigkeit vom Erwerbsstatus, dem Wohnort, dem Geschlecht, der Altersklassen und dem Gehaltsniveau. 

In Ostdeutschland sind die Bargeldbestände beispielsweise fast doppelt so hoch wie im Westen. Männer lagern im Durchschnitt 200 Euro mehr Bargeld zu Hause, während Beamte am wenigsten Bargeld im direkten Vergleich mit anderen Berufsgruppen lagern.

Geld zu Hause lagern: Gründe für hohe Bargeldbestände sind vielfältig

Die Ergebnisse der Studie, die im Rahmen einer Personenbefragung (Stichprobe von ca. 2.000 Menschen) erzielt worden sind, zeigen, dass das niedrige Zinsniveau bei 58 Prozent der Befragten der relevanteste Faktor dafür ist, Bargeld zu Hause zu lagern. Auch gilt Bargeld bei vielen Deutschen (55 Prozent) noch als einfachstes Zahlungsmittel. 

Andere wiederum (41 Prozent) bemängeln die technische Infrastruktur des Online-Bankings und verlassen sich lieber auf das technikfreie Bargeld. Die Angst vor Hackerangriffen ist in den vergangenen Jahren drastisch gestiegen. 

Steuerliche Motive spielen bei den wenigsten Befragten (12 Prozent) eine Rolle. Motive zur Steuervermeidung können aus den Studienergebnissen jedoch nicht abgeleitet werden.

Ist Geld zu Hause lagern strafbar?

Die Antwort ist relativ einfach: Nein, du darfst natürlich so viel Bargeld zu Hause lagern, wie du möchtest – strafbar machst du dich dadurch nicht. Bei Bargeldeinzahlungen gelten abweichende Regeln. Ab einem Betrag von 10.000 Euro sieht das Geldwäschegesetz vor, dass du einen Herkunftsnachweis leisten musst. Gelingt dies nicht, können strafrechtliche Folgen eintreten.

Aus diesem Grund solltest du beim Einzahlen von Bargeld bei deiner Hausbank darauf achten, dass du unter der Obergrenze vom Geldwäschegesetz bleibst. Bei großen Beträgen empfehlen wir dir, die Einzahlung in mehreren Tranchen zu erledigen. So vermeidest du den  bürokratischen Aufwand.

Du wirst in vielen Foren zahlreiche Mythen über die Strafbarkeit der Bargeldhaltung zu Hause finden. Fakt ist, dass du über dein Geld – innerhalb des rechtlichen Rahmens – frei verfügen kannst.

Du darfst Geld zu Hause lagern: Vor- und Nachteile

Es gibt verschiedene Gründe, die dafür sprechen Geld zu Hause zu lagern, aber auch berechtigte Gründe, die dagegen sprechen. Wir haben die wichtigsten Vor- und Nachteile für euch zusammengefasst.

Vorteile, wenn du dein Bargeld zu Hause lagerst

Geld zu Hause zu lagern, hat viele Vorteile. Du hast schnell Zugriff auf Bargeld und musst nicht erst zum nächsten Bankautomaten laufen, um Geld abzuheben. Außerdem unterliegst du nicht der Zahlung von Negativzinsen, die von vielen Banken heute noch verlangt werden. 

Gerade Bankkunden der höheren Altersgruppen haben größere Zweifel an der Sicherheit und Verlässlichkeit der technischen Infrastruktur – gerade im Online-Banking. Wer Bargeld zu Hause lagert, muss sich über technische Schlupflöcher oder Cyberangriffe keine Gedanken machen.

Den größten Nutzen entfaltet Bargeld, sobald Ausnahmesituationen eintreten, die z.B. Stromausfälle und technische Störungen auslösen. Gerade für solche Situationen ist es ratsam, ausreichend Bargeldreserven zur Verfügung zu haben.

Bargeldhaltung zu Hause hat auch Nachteile

Wer zu viel Bargeld zu Hause lagert, riskiert, dass dieses im Falle eines Diebstahls oder bei Wasser- oder Brandschäden verloren geht. Hausratversicherungen decken meist nur Schadenssummen zwischen 1.000 und 5.000 Euro ab. 

Je höher die Deckungssumme, desto höher ist im Regelfall auch die Versicherungsprämie, die du monatlich oder jährlich entrichten musst. 

Wir haben die Leistungskataloge verschiedener Versicherer analysiert und in der nachfolgenden Tabelle zusammengefasst, wie hoch die Obergrenzen bei Diebstahl von Bargeld sind. 

Es handelt sich hierbei nur um Bargeld, das du unverschlossen außerhalb von Stahlschränken bzw. Safes lagerst.

Versicherer Obergrenze
R&V 1.500 bis max. 2.000 Euro
WGV 1.500 bis max. 5.000 Euro
Friday 2.500 Euro
HUK24 1.000 bis max. 3.000 Euro (Classic Tarif)
Adam Riese 500 bis max. 2.000 Euro
Allianz 1.000 bis max. 5.000 Euro
Ergo 3.000 Euro
Cosmos Direkt 1.000 Euro

Höhere Schäden werden bei Diebstahl z.B. nur dann abgesichert, wenn das Bargeld in einem Safe gesichert aufbewahrt wird. Dieser muss entweder an der Wand fest verbaut oder extrem schwer sein. Die Kosten eines Safes sind nicht zu unterschätzen. 

Günstige Modelle starten bei 200 Euro und bewegen sich je nach Funktionsumfang (z.B. Fingerscan) bis hin zu 3.000 Euro. Je höher deine Bargeldreserven, desto wichtiger ist auch die Sicherheit deines Schließfaches. Lass dich zur Sicherheit von einem Bankberater oder direkt im Geschäft beraten.

Das Bankschließfach als Alternative zum häuslichen Safe

Eine Alternative zum häuslichen Safe sind Bankschließfächer. Dort können Bargeld und je nach Größe auch andere Wertgegenstände (Gold, Schmuck etc.) aufbewahrt werden. Das Vermögen ist meistens für den Verlustfall versichert. 

Ein Bankschließfach bei den Raiffeisen Volksbanken kostet z.B. zwischen 50 und 150 Euro im Jahr. Wir haben euch nachfolgend die entsprechenden Konditionen bei der Volksbank zusammengefasst.

  • 7,5cm: 50 Euro
  • 10cm: 75 Euro
  • 15cm: 100 Euro
  • 20cm: 100 Euro
  • 25cm: 125 Euro
  • 30cm: 125 Euro
  • 37,5cm: 150 Euro

Versichert sind grundsätzlich alle Inhalte deines Schließfachs bei der Bank. Dazu zählen beispielsweise Wertgegenstände wie Uhren, Bargeld, Edelmetalle und Schmuck, aber auch Wertpapiere, Urkunden und Geschäftsbücher.

Nicht bei jeder Bank ist ein solcher Versicherungsschutz jedoch in der Miete für das Bankschließfach inkludiert. Frage hier vor dem Abschluss bei den Bankmitarbeitern nach und wirf einen Blick auf die AGB des Mietvertrages. 

Bei vielen Banken ist es möglich, gegen einen Aufpreis einen zusätzlichen Versicherungsschutz zu buchen. Bei der Frankfurter Sparkasse erhältst du im Basis-Tarif (ab 36 Euro pro Jahr) eine Grundsicherung bis zu 2.500 Euro. 

Wer möchte, kann eine zusätzliche Schließfachversicherung abschließen.

Fazit: Geld zu Hause lagern ist nur in Maßen sinnvoll

Du kannst zu Hause Geld lagern, ohne dich strafbar zu machen. Strafbar machst du dich nur, wenn du steuerpflichtige Einnahmen in deiner Steuererklärung nicht angibst. Das Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe empfiehlt Bürgern sogar, vernünftige Bargeldbestände aufzubauen. 

Das Bargeld, das du zu Hause lagerst, sollte maximal deinen Wochenbedarf decken. Damit sicherst du, dass immer genug Geld für Lebensmittel verfügbar ist. Im Notfall können Bankautomaten und das bundesweite digitale Zahlungssystem ausfallen, sodass Bargeld als Zahlungsmittel unumgänglich ist. 

Folgende Tabelle zeigt, wie hoch dein Bargeldbestand – je nach Personengruppe – sein sollte:

  • Single: 402 Euro
  • Paar ohne Kind: 717 Euro
  • Paar mit Kind: 931 Euro

FAQ

Du kannst so viel Geld zu Hause lagern, wie du möchtest. Eine Obergrenze existiert nur in Bezug auf Einzahlungen bei deiner Hausbank. Ab einer Einzahlungssumme von 10.000 Euro musst du gemäß dem Geldwäschegesetz nachweisen können, dass du das Geld auf legale Art und Weise erworben hast.

Es ist strafrechtlich absolut irrelevant, ob und wie viel Geld zu Hause lagerst. Relevant sind nur Einzahlungen (ab 10.000 Euro) bei deiner Hausbank.

Das Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe empfiehlt eine Bargeldreserve in Höhe deiner wöchentlichen Lebenshaltungskosten. Damit stellst du sicher, dass du im Notfall ausreichend Bargeld zur Verfügung hast, um notwendige Ausgaben für Lebensmittel zu tätigen.

Auch hier existieren keine rechtlichen Beschränkungen. Wie auch beim Bargeld, das du zu Hause lagerst, solltest du bedenken, dass dieses auf einem Bankkonto im Zweifel wesentlich sicherer ist.

Über den Autor
Carlos

Co-Founder von Finantio

Carlos arbeitete nach seinem Wirtschaftsstudium in Frankfurt in der Strategieberatung und bei verschiedenen Fintechs im Marketing & als Produktmanager. Dort sammelte er Erfahrung in der Finanzwelt, die er heute bei Finantio teilt.

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