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Core Satellite Strategie: Definition & Beispiel mit ETFs

Viele Anleger fragen sich, was die beste Portfoliostrategie für sie ist. Vielen ist es zu einfach oder vielleicht auch zu langweilig, sich nur auf das Basic Investment eines Weltportfolios zu fokussieren. 

Doch möchten sich viele auch nicht in unnötige Risiken stürzen. Hier kann die Core Satellite Strategie eine spannende Option sein.

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Im Grunde ist es zunächst richtig, sich ein passendes Weltportfolio aufzubauen und dieses dann langfristig liegenzulassen. 

Denn spätestens seit der Markteffizienzhypothese von Wirtschaftsnobelpreisträger Eugene Fama wissen wir, dass es nur sehr schwer möglich ist, den weltweiten Aktienmarkt langfristig zu schlagen. 

Fama drückt in seiner Hypothese aus, dass bereits in sämtlichen Kursen einzelner Unternehmen alle zur Verfügung stehenden Informationen einfließen. Wissensvorsprünge sind kaum vorhanden und gerade Privatanleger kommen praktisch niemals vor den institutionellen Anlegern an solche Informationen. 

Nach ihm können nur der Zufall bzw. nicht vorhersehbare positive oder negative Ereignisse den Kurs einer Aktie noch beeinflussen.

Daher ist es nach Fama nur logisch, passiv breit in den Markt zu investieren und dieser Strategie stur zu folgen. Denn die Selektion einzelner Aktien kann nach Fama langfristig nicht zum Erfolg führen.

Definition: Was ist die Core Satellite Strategie?

Aber warum erzähle ich dir von einer Strategie, die einem Wirtschaftsnobelpreisträger widerspricht? Ganz einfach: Die Markteffizienzhypothese findet nicht ausschließlich Anklang in Fachkreisen.

Zunächst zeigen viele Studien, dass die Grundidee Famas durchaus richtig ist. Denn selbst erfahrenen aktiven Fondsmanagern gelingt es zu 95 Prozent nicht, den Markt langfristig zu schlagen. Aber es gibt eben diese fünf Prozent der Fondsmanager, die es doch geschafft haben, den Markt zu schlagen. Widerspricht dies nicht der Markteffizienzhypothese?

Die beiden US-Finanzökonomen Jack Treynor und Fischer Black waren ebenfalls nicht vollends von der Markteffizienzhypothese Famas überzeugt und schlugen eine Portfoliostrategie vor, die beide Lager vereinen sollte. 

Sie sagen somit zum einen, dass es sinnvoll sei, darauf zu vertrauen, dass Märkte effizient sind, sodass ein weltweites passives ETF-Portfolio (Core) eine gute Anlagestrategie darstellt. Zum anderen schlagen sie jedoch vor, dass man diesen Kern des Portfolios mit einer aktiven Komponente (Satellite) anreichert. 

Denn neben dem effizienten breiten Markt gibt es auch immer wieder Nischenmärkte, die durchaus irrationale Kursbewegungen zeigen können. Diese können Anleger nutzen, um ihre Rendite zu optimieren.

Welche Rendite liefert der globale Aktienmarkt?

Zukünftige Renditen kann dir niemand berechnen. Es existieren höchstens statistische Simulationsmodelle, auf deren Basis du aus den historischen Renditen eine Prognose ableiten kannst. Sicher sind diese nie.

Ein Blick in die Vergangenheit zeigt jedoch, dass der globale Aktienmarkt in den letzten 50 Jahren eine solide Performance geliefert hat. Der MSCI-World hat seit seiner Auflage in den 70er-Jahren mehr als sieben Prozent pro Jahr an durchschnittlicher Rendite erzielt.

Wie baust du dir dein eigenes Core Satellite Portfolio auf?

Der Aufbau der Core Satellite Strategie ist relativ einfach. Du musst dein Vermögen zunächst in zwei Blöcke aufteilen. Den größeren Block, der zwischen 60 und 90 Prozent deines Gesamtvermögens ausmachen sollte, investierst du in ein weltweites ETF Portfolio. Hier kannst du auch Anleihen oder Rohstoffe beimischen. 

Der kleinere Block deines Vermögens wird dein Satellite Portfolio. Dieses kann aus Einzelaktien, Kryptowährungen, Themen- oder Branchen-ETFs bestehen. Dieser Teil deines Portfolios ist aktiv und somit arbeitsintensiver, da du ihn aktiv managen musst. Hier setzt du nämlich weniger auf den langfristigen Gewinn, sondern realisierst kurzfristige bis mittelfristige Renditen.

Wie du dein Satellite Portfolio genau strukturierst, hängt vor allem von dir selbst ab. Zu jedem Anlegertypen passen unterschiedliche Modelle. So können Themen-ETFs grundsätzlich sinnvoll für Anleger sein, die sich nicht in Aktienanalysen stürzen wollen bzw. hierzu noch nicht die entsprechende Expertise haben.

Zudem haben sie den Vorteil, dass sie eine gewisse Diversifikation mit sich bringen, sodass man nicht nur auf ein Pferd setzt, wie bei Einzelaktien oder Kryptowährungen. Doch ein Themen-ETF oder auch ein Smart Beta ETF haben meist eine höhere Kostenquote als bspw. ein Standard-ETF, zudem könnte sich der Trend bereits wieder abflachen, wenn die Themen-ETFs auf den Markt kommen.

Eine Herangehensweise könnte sein, dass du dich beim Satellite-Anteil auf Anlagen konzentrierst, die eine gewisse Zukunftsaussicht haben. So könnten beispielsweise Werte in den Bereichen Clean Energy, Cyber Sicherheit, E-Commerce oder auch Health Care sicherlich in der Zukunft noch interessanter werden.

Aufteilung bei der Core Satellite Strategie ist abhängig vom Risikoprofil

Welche Gewichtung du deinem Core und deinen Satelliten gibst, hängt maßgeblich von deinem Risikoprofil ab. Wenn du ein eher risikofreudiger Anleger bist, kannst du den Satelliten-Anteil durchaus auf bis zu 30 – 40 Prozent ausdehnen. 

Dabei musst du dir allerdings über das Risiko bewusst sein, dass der hohe aktive Anteil in dem Portfolio sowohl arbeitsintensiver als auch weniger diversifiziert ist.
Wenn du eine eher geringe Risikoaffinität besitzt, sollte dein Satellite-Anteil eher zwischen 10 und 20 Prozent sein. 

So kannst du bereits deine ersten aktiven Erfahrungen an der Börse sammeln, hast allerdings weiterhin die hohe Diversifikation deines Core im Rücken.

Beispiel: Core Satellite Strategie mit Themen-ETFs und Aktien aufbauen

Es gibt viele Möglichkeiten, wie du dein Core Satellite Portfolio aufbauen könntest. Ich möchte dir ein Beispiel für ein eher risikoarmes und ein eher risikoreiches Depot an die Hand geben.

Option 1: Risikoarm

Wertpapier WKN Gewichtung
iShares MSCI ACWI ETF A1JMDF 85 %
iShares Global Clean Energy ETF A0MW0M 10 %
WisdomTree Physical Precious Metals ETC A0N6XL 5 %

Beim ersten Portfolio lege ich bei der ETF-Auswahl viel Wert darauf, dass die grundlegende Basis global diversifiziert ist. Damit sorgst du für Robustheit und reduzierst deine Volatilität, sollte sich das Börsenwetter plötzlich verändern.

Die Gewichtung des globalen Aktien-ETFs ist auf 85 Prozent begrenzt. Einmal pro Jahr führst du ein sogenanntes Rebalancing durch, um diese Gewichtung wiederherzustellen.

Liegt die Gewichtung unter dem Zielwert, musst du Wertpapiere nachkaufen – und umgekehrt. Alternativ kannst du auch Umschichtungen vornehmen. Lasst uns jetzt einen Blick auf das zweite Modell werfen.

Option 2: Risikofreudig

Wertpapier WKN Gewichtung
Vanguard ESG Global All Cap ETF A2QL8U 60 %
Xtrackers Future Mobility ETF A2N6LL 15 %
Sartorius Vz. 716563 15 %
Bitcoin - 10 %

Kosten beim Aufbau von Core Satellite Strategie beachten

„Hin-und-Her macht Taschen leer“ – kaum eine Börsenweisheit ist so zeitlos wie diese. Jede Umschichtung, die du an deinem Portfolio vornimmst, ist natürlich mit Kosten verbunden, die deine Rendite mindert.

Daher solltest du auch den aktiven Part deiner Core Satellite Strategie nicht ständig umschichten, weil du den nächsten heißen Anlage-Tipp von Onkel Heinrich am Wohnzimmertisch gehört hast. Vielmehr solltest du strategisch und besonnen vorgehen. Hat eine Anlageidee nicht funktioniert, dann solltest du handeln. 

Es ergibt hier Sinn, sich einen Plan vor jeder Anlage aufzustellen, wann du das Wertpapier wieder verkaufen willst. Mach dir Gedanken bei welcher Unterperformance du die Reißleine ziehen willst und ab wann du deine Gewinne realisieren möchtest.

Es kann hierbei sinnvoll sein, wenn du dein Portfolio ein oder zweimal im Jahr auf Herz und Nieren prüfst. Hier vergleichst du dann dein Portfolio mit deinen Anlageplänen, die du dir gemacht hast und entscheidest, ob du etwas ändern möchtest.

Vor- und Nachteile bei dieser Anlagestrategie im Überblick

Natürlich gibt es auch Kritik an der Core Satellit Strategie. Ein großer Kritikpunkt an der Strategie ist, dass es bisher nur wenige wissenschaftliche Abhandlungen zu dieser Anlagestrategie gibt. Daher gibt es auch nur wenige Beweise dafür, dass die Strategie wirklich dazu geeignet ist, den breiten Markt zu schlagen.

Außerdem sollte sich auch nicht jeder Anleger blind auf die Core Satellite Strategie stürzen. Denn wie bereits beschrieben, ist für die Auswahl von Themen-ETFs, Einzelaktien oder Kryptowährungen eine gewisse Expertise erforderlich. Du musst prüfen können, wann ein guter Einstiegspunkt ist und ob der Kurs noch Anstiegspotential hat. 

Im Zweifel hat der Hype schon den Höchststand erreicht und es steht eine Kehrtwende bei deinem ausgewählten Wertpapier an.

Vorteile: Bessere Risikokontrolle und Renditechancen

Einer der Hauptvorteile der Core Satellite-Strategie ist die bessere Risikokontrolle. Durch die Verwendung des breit diversifizierten Cores kann das Risiko des Gesamtportfolios reduziert werden, da mögliche Verluste aus dem risikoreichen Satellite-Anteils des Portfolios durch Gewinne aus dem breiten Core-Anteils ausgeglichen werden können. 

Gleichzeitig können die Satelliteninvestitionen dazu beitragen, das Renditepotenzial zu erhöhen, da sie gezielt auf bestimmte Marktbereiche ausgerichtet sind, die möglicherweise höhere Renditen bieten.

Ein weiterer Vorteil der Core Satellite Strategie ist die Flexibilität. Du kannst die Strategie an deine individuellen Bedürfnisse und Risikotoleranzen anpassen, indem du die Gewichtung zwischen Kern- und Satellitenportfolios variierst. Außerdem kannst du je nach Marktlage und individuellen Präferenzen Anpassungen vornehmen, um auf veränderte Marktbedingungen reagieren.

Nachteile: Unerforscht, Expertise und mehr Kosten durch Umschichtungen

Natürlich gibt es auch Nachteile der Core Satellit Strategie. Ein großer Kritikpunkt an der Strategie ist, dass es bisher nur wenige wissenschaftliche Abhandlungen zu dieser Anlagestrategie gibt. Daher gibt es auch nur wenige Beweise dafür, dass die Strategie wirklich dazu geeignet ist, den breiten Markt zu schlagen.

Außerdem sollte sich auch nicht jeder Anleger blind auf die Core Satellite Strategie stürzen. Denn wie bereits beschrieben, ist für die Auswahl von Themen-ETFs, Einzelaktien oder Kryptowährungen eine gewisse Expertise erforderlich. Du musst prüfen können, wann ein guter Einstiegspunkt ist und ob der Kurs noch Anstiegspotential hat. 

Im Zweifel hat der Hype schon den Höchststand erreicht und es steht eine Kehrtwende bei deinem ausgewählten Wertpapier an. 

Zudem hast du durch den aktiven Anteil einen höheren Handlungszwang und musst dein Portfolio regelmäßig anpassen. Hierdurch entstehen dir Ordergebühren.

Für wen ist die Core Satellite Strategie sinnvoll?

Solltest du dir also jetzt sofort ein Core Satellite Portfolio aufbauen? Absolut nicht! Die Core Satellite Strategie ist zunächst ein System für Anleger, die daran glauben, dass sie mit dem Satellite Portfolio eine bessere Rendite erwirtschaften können als mit dem Core-Investment.

Auch für Anleger, die sich in die Börsenmaterie vertiefen möchten, kann die Core Satellite Strategie Sinn ergeben. Denn durch das Core-Investment ist man schon relativ sicher aufgestellt. Mit dem Satellite Anteil kann man sich dann z.B. an Analysen von Einzelaktien oder Kryptowährungen versuchen. 

Doch sollte dies ohne größere Erfahrung einen geringen Anteil am Gesamtportfolio ausmachen und eher als „Spielgeld“ gesehen werden, das man schlimmstenfalls bereit ist zu verlieren.

Anleger, die jedoch mit ihrer passiven weltweiten Strategie zufrieden sind, sollten von der Core Satellite Strategie Abstand nehmen. Denn es ist nichts Verkehrtes daran, diese Strategie zu wählen. Immerhin steht ein Wirtschaftsnobelpreisträger auf deiner Seite.

Fazit: Gewichtung mit der Core Satellite Strategie reduziert Gesamtrisiko und erhöht Renditechancen

Du hast mit der Core Satellite Strategie die Möglichkeit, dein Portfolio breiter zu diversifizieren und das Risiko zu reduzieren, indem du ein breit gestreutes Kernportfolio mit gezielten Satelliten kombinierst. 

Durch diese Gewichtung kannst du das Gesamtrisiko reduzieren und das Renditepotenzial erhöhen. Die Flexibilität der Strategie ermöglicht es dir auch, auf veränderte Marktbedingungen zu reagieren und deine Strategie anzupassen. 

Insgesamt ist die Core Satellite Strategie eine vielversprechende Option für dich, wenn du sowohl eine risikominimierte als auch renditesteigernde Anlagestrategie suchst.

FAQ

Die Core-Satellite-Strategie ist eine Anlagestrategie, bei der ein Kernportfolio aus breit gestreuten, kostengünstigen Anlageinstrumenten wie Indexfonds (ETFs) gebildet wird, das durch die Beimischung von spezialisierten Einzelaktien, Fonds oder anderen Anlagen ergänzt wird, um zusätzliche Renditechancen zu nutzen oder das Risiko zu reduzieren. 

Die Idee ist, dass der Kern ein stabiles Fundament bildet, während der Satellitteil höhere Erträge oder Diversifikationsmöglichkeiten bietet.

Die Auswahl von ETFs als Satelliten hängt von den individuellen Anlagezielen und Risikobereitschaft ab. 

Einige Beispiele für ETFs, die als Satelliten in einer Core-Satellite-Strategie verwendet werden können, sind:

  • Sektor-ETFs: ETFs, die sich auf spezielle Branchen oder Sektoren wie Technologie, Gesundheitswesen oder Energie konzentrieren.
  • Länderspezifische ETFs: ETFs, die in bestimmte Länder oder Regionen wie die USA, Europa oder Asien investieren.
  • Small-Cap-ETFs: ETFs, die in Unternehmen mit geringer Marktkapitalisierung investieren und ein höheres Risiko- und Renditepotenzial bieten können.
  • Anleihen-ETFs: ETFs, die in Anleihen investieren und eine höhere Stabilität und regelmäßige Erträge bieten können.

Es ist wichtig zu beachten, dass bei der Auswahl von Satelliten-ETFs die Diversifikation und das Risiko im Portfolio berücksichtigt werden sollten. 

Eine professionelle Finanzberatung kann helfen, die richtigen ETFs für eine individuelle Core-Satellite-Strategie auszuwählen.

Über den Autor
Max

Co-Founder von Finantio

Max ist Rechtsanwalt und Datenschutzexperte bei McDonald’s Deutschland. Außerdem ist er als Wirtschaftsautor bei extraETF aktiv und teilt auf seinem Instagram-Account Maxximieren wertvollen Finanz-Content mit seiner Community.

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